
Recht auf ein Bankkonto in Monaco
Monaco stärkt das Recht auf ein Bankkonto. Was die Reform für Online-Unternehmen ändert und wie Sie sich vor dem Inkrafttreten vorbereiten.
Für ein Online-Unternehmen ist das Bankkonto der Baustein, über den niemand spricht – bis er plötzlich fehlt. Stripe, Shopify Payments, Adyen und nahezu jeder andere Zahlungsdienstleister zahlen auf ein Konto im Namen des Unternehmens aus. Ohne Konto keine Auszahlungen. Und ein Shop, der kein Geld erhält, ist faktisch geschlossen.
Deshalb verdient eine Abstimmung im Conseil National Anfang Oktober 2026 die Aufmerksamkeit von Gründern und E-Commerce-Verantwortlichen, nicht nur von Bankern. Das Parlament hat einstimmig den Gesetzentwurf Nr. 1124 angenommen, der das Gesetz Nr. 1.492 vom 8. Juli 2020 über das Recht auf ein Konto ändert. Die Reform gilt noch nicht: Sie muss erst verkündet und im Journal de Monaco veröffentlicht werden, ein Anwendungsdatum steht noch aus. Dieser Beitrag zeigt, was sich ändert, was nicht – und was sich schon jetzt vorbereiten lässt.
Was das Gesetz von 2020 bereits vorsah
Das Gesetz 1.492 schuf ein „droit au compte" für natürliche und juristische Personen mit Bezug zu Monaco. Vereinfacht: Wer abgelehnt wurde, konnte sich an den Staat wenden, der dann eine Bank bestimmte. Diese musste ein Paket grundlegender Bankdienstleistungen bereitstellen. Banken durften in bestimmten Fällen weiterhin ablehnen, etwa wenn Identität oder wirtschaftlich Berechtigte nach den Geldwäscheregeln nicht überprüft werden konnten.
In der Praxis hatte das Verfahren eine Schwachstelle: Es setzte eine formelle Ablehnung voraus. Eine Bank, die einfach nicht antwortete oder immer neue Unterlagen anforderte, ließ Antragsteller ohne Handhabe zurück. Laut Regierung soll die Reform Verfahren klarer und Fristen vorhersehbarer machen.
Was der Gesetzentwurf 1124 ändert
Nach der Mitteilung der Regierung und Berichten über den verabschiedeten Text sind dies die wichtigsten Neuerungen:
- Erweiterter Anwendungsbereich. Das Recht gilt künftig auch für Personen, die nur ein Gemeinschaftskonto haben, und – für Unternehmen entscheidend – für natürliche und juristische Personen, deren bestehendes Konto gerade gekündigt wird.
- Fristen für Banken. Eine Bank hat 30 Werktage, um die nötigen Unterlagen anzufordern, und danach eine festgelegte Frist für die Entscheidung über den vollständigen Antrag. Schweigen gilt als Ablehnung.
- Eskalation ohne formelle Ablehnung. Antwortet die Bank nicht fristgerecht, kann sich der Antragsteller an die Direction du Budget et du Trésor wenden, die binnen 10 Werktagen eine Bank bestimmen muss.
- Begründete Ablehnungen. Banken müssen eine Ablehnung begründen, außer die nationale Sicherheit oder öffentliche Ordnung stünde entgegen.
- Sanktionen und Eilverfahren. Berichten zufolge drohen Banken Verwaltungsbußen von bis zu 10.000 €; gegen Ablehnungen oder Kündigungen steht ein beschleunigtes Verfahren vor dem Präsidenten des Tribunal de première instance offen.
Unverändert bleibt: Banken behalten sämtliche Pflichten zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, Proliferation und Korruption. Die Reform macht das Verfahren durchsetzbar – sie senkt nicht die Anforderungen an die Sorgfaltsprüfung.
Warum das für digitale Unternehmen zählt
Online-Unternehmen in Monaco hatten einige schwierige Jahre mit Banken und Zahlungsdienstleistern. Die Aufnahme in die Graue Liste der FATF im Juni 2024 führte dazu, dass viele Institute ihr Onboarding verschärften und Bestandskunden überprüften – die Zahlungsseite haben wir in unserem Beitrag zum möglichen Ausstieg aus der Grauen Liste beleuchtet. Agenturen, E-Commerce-Marken, SaaS-Start-ups und kryptonahe Geschäftsmodelle erlebten oft langwierige Kontoeröffnungen oder plötzliche Überprüfungen.
Die Einbeziehung gekündigter Konten ist für sie die praktisch wichtigste Änderung. Eine Kontokündigung ist kein reines Bankproblem: Sie stoppt die Auszahlungen des Zahlungsdienstleisters, lässt Lastschriften für Software-Abos platzen und kann einen Onlineshop mitten in der Saison lahmlegen. Ein klarer Weg zu einem Ersatzkonto mit verbindlichen Fristen senkt dieses Risiko.
Was die Reform nicht löst
Realismus ist angebracht. Das Recht auf ein Konto garantiert Basisdienstleistungen, keine vollständige Geschäftsbeziehung. Nach dem bisher Veröffentlichten deutet nichts darauf hin, dass eine Bank Kartenakzeptanz, Fremdwährungskonten oder Kredite anbieten muss – und Zahlungsdienstleister werden nicht verpflichtet, Sie aufzunehmen. Welche Leistungen genau abgedeckt sind, klären Sie nach Veröffentlichung des endgültigen Textes mit Ihrer Bank oder Ihrem Anwalt.
Und vor allem: Noch gilt es nicht. Bis zur Verkündung bleibt das bisherige Verfahren maßgeblich.
So bereiten Sie sich jetzt vor
Die meisten Verzögerungen entstehen durch unvollständige oder widersprüchliche Unterlagen. Unabhängig vom weiteren Gesetzgebungsverlauf helfen diese Schritte:
- Ein aktuelles KYB-Dossier führen. Satzung, RCI-Auszug, Register der wirtschaftlich Berechtigten, Adressnachweis, Ausweise der Geschäftsführer, letzte Abschlüsse und eine Seite, die Geschäftsmodell und Zahlungsflüsse beschreibt.
- Website und Dossier abgleichen. Compliance-Teams schauen sich Ihre Website an. Impressum, Firmenangaben, AGB, Rückerstattungsregeln und Produktbeschreibungen sollten zu dem passen, was Sie der Bank mitteilen. Eine transparente, professionelle Website, abgestimmt auf Ihr E-Commerce-Setup, ist Teil Ihrer Sorgfaltsunterlagen.
- Alles mit Datum dokumentieren. Bewahren Sie Nachweise auf, wann Sie Unterlagen eingereicht und wann die Bank geantwortet hat. Im neuen Verfahren sind genau diese Daten die Grundlage für eine Eskalation.
- Single Points of Failure vermeiden. Halten Sie nach Möglichkeit einen zweiten Auszahlungsweg oder ein Ersatzkonto bereit und wissen Sie, wie lange ein Anbieterwechsel in Ihrem Shopify-Shop oder individuellen Checkout dauern würde.
Was als Nächstes kommt
In den kommenden Wochen lohnt der Blick auf drei Punkte: die Verkündung und Veröffentlichung im Journal de Monaco, mögliche Durchführungsbestimmungen zu den Fristen und die für Ende Oktober erwartete FATF-Plenarsitzung, die den Blick der Banken auf Kunden aus Monaco verändern könnte. Nichts davon ist sicher, und Bankrecht ist Spezialgebiet – prüfen Sie den endgültigen Text mit Ihrer Bank oder einem Rechtsberater in Monaco, bevor Sie sich darauf stützen.
Wenn Reibung mit Banken Ihre Online-Projekte bremst, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Ihre Zahlungsarchitektur im Rahmen einer umfassenderen Digitalstrategie zu überprüfen.
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